Müllheizkraftwerk

Kernstück der Abfallentsorgung für die Landkreise Coburg, Kronach, Lichtenfels und die Stadt Coburg ist das Müllheizkraftwerk in Coburg-Neuses. Dort werden jährlich rund 135.000 Tonnen Abfälle verbrannt und dabei Strom und Fernwärme gewonnen. Durch das Müllheizkraftwerk konnte das veraltete Kohlekraftwerk der Stadt Coburg ersetzt werden. Diese Art der Abfallbehandlung mit gleichzeitiger Energienutzung ist derzeit die umweltverträglichste Art der Abfallentsorgung. Mit dem MHKW erfüllt der Zweckverband schon lange die gesetzlichen Verpflichtungen der TA-Siedlungsabfall. Ab dem Jahr 2005 darf kein unbehandelter Müll mehr deponiert werden.

Im MHKW wird der gesamte Haus- und Sperrmüll sowie der hausmüllähnliche Gewerbemüll und Teilmengen von Klärschlamm aus dem Verbandsgebiet verbrannt. Seit September 1999 wird zur Auslastung der Anlage auch Müll vom Zweckverband Abfallwirtschaft Erlangen angenommen. Der Müll aus den Landkreisen Kronach und Lichtenfels wird umweltfreundlich per Bahn angeliefert. Dazu wurden in Kronach und Lichtenfels Umladestationen gebaut. [mehr anzeigen]

Der im MHKW angelieferte Müll wird, nachdem er gewogen und registriert wurde, in der Anlieferhalle in den Müllbunker gekippt. Zirka 8000 m³ können hier gelagert werden. Die Luft im Müllbunker wird ständig abgesaugt und dient als Primärverbrennungsluft. Im Anlieferbereich werden dadurch Staub und unangenehme Gerüche vermieden.

Die Abfälle werden im Müllbunker mittels eines Kranes zu einem homogenen Brenngut vermischt, um eine gleichmäßige Verbrennung zu erzielen. Je nach Bedarf beschickt der Kranführer die beiden Verbrennungsöfen, wobei der Müll auf einem sogenannten Rückschubrost den Verbrennungskessel durchwandert und verbrannt wird. Etwa 20 Tonnen Müll verbrennen pro Stunde in zwei kombinierten Verbrennungsöfen bei einer Temperatur von ca. 1000°C. Durch die Verbrennung reduziert sich das Volumen des Mülls auf ca. 10%, das Gewicht auf ca. 30%.

Am Ende des Rückschubrostes gelangen die Verbrennungsrückstände über den Entschlacker, wo sie in einem Wasserbad abgekühlt werden, in den Schlackebunker. Die Schlacke wird in einer Aufbereitungsanlage in verschiedene Fraktionen abgesiebt und vom Metall getrennt. Die so aufbereitete Schlacke und das Metall können wieder verwertet werden.

Die bei der Verbrennung entstehenden heißen Rauchgase durchströmen nach dem Feuerungsraum den Dampfkessel und geben hier die Energie ab. Anschließend gelangen sie ausgekühlt in die Rauchgasreinigungsanlage, wo spezielle und aufwendige Verfahren ihre Schadstoffe gezielt zurückhalten.

Mittels einer mehrstufigen Rauchgasreinigungsanlage (Sprühabsorber, Gewebefilter, zweistufiger Rauchgaswäscher und Naßelektrofilter) werden die Rauchgase zum größten Teil von ihren Schadstoffen befreit und können als Reingas die Schornsteine verlassen. Die Rückstände aus der Rauchgasreinigungsanlage werden untertage in einem stillgelegten Salzbergwerk entsorgt.

Die Heizkessel erzeugen Wasserdampf mit einer Temperatur von 400°C und einem Dampfdruck von ca. 40 bar, der zwei Turbinen antreibt. Diese wiederum sind mit zwei Generatoren gekoppelt und liefern etwa 55 Millionen kWh Strom im Jahr. Zirka ein Viertel davon benötigt das Kraftwerk selbst. Ungefähr 40 Millionen kWh werden in das Netz eingespeist, womit ca. 10.000 Haushaltungen ein Jahr lang mit Strom versorgt werden können.

Die nach den Turbinen verbleibende Wärme von etwa 90 000 Megawattstunden (MWh) pro Jahr wird in das Fernwärmenetz der Stadt Coburg eingespeist. Dadurch können ca. 9 Millionen Liter Heizöl eingespart werden. Dies ist eine Ölmenge, die für die Beheizung von 5000 Einfamilienhäusern im Jahr reicht.